Homeoffice mit Kindern

Deutschland, wie so viele andere Nachbarländer, wurde über die letzten Wochen zu einem nationalen Experiment gezwungen. Denn die Arbeit der Zukunft ist da, auch bekannt als Homeoffice oder shared workspace am Küchentisch.

Ich habe über die letzten Jahre einige Erfahrung im heimischen Arbeitsplatz gesammelt und dabei den einen oder anderen Fehler gemacht. Ich kann Ihnen kein Standardrezept für das Homeoffice-Paradies geben, jedoch ein paar Tips erteilen, wie Sie Ihre Familie und Ihren Beruf unter einem Dach vereinbaren und diesen Ausnahmezustand bewältigen können. Jedenfalls kann ich Ihnen eins sagen: Arbeiten von zuhause macht Spaß – zumindest unter bestimmten Voraussetzungen!

Studien haben gezeigt, dass Menschen, die nicht ausschließlich im Büro arbeiten, produktiver und konzentrierter sind. Pre Corona Zeiten haben meine Homeoffice Tage folgendermaßen ausgeschaut: Meine produktivste Zeit des Tages waren die ersten drei bis vier Stunden meines Morgens – sobald meine Männer aus dem Haus waren. Noch vor meinem Frühstück oder dem Duschen, habe ich mich mit einem Kaffee und meinem Laptop auf die Couch oder an meinen Arbeitstisch gesetzt und konzentriert meine To Dos abgehakt.
Heute sieht das plötzlich ganz anders aus. Wie genau meistert man seinen Arbeitsalltag, wenn die Kinder auf einmal von morgens bis abends zu Hause sind, weil die Schulen und Kitas zu haben und Betreuung durch Großeltern auch nicht in Frage kommt?
Es war in meinem Fall nicht einfach, aber machbar. Denn es gab auch pre Coronavirus Zeiten, wo das Kind zuhause krank war und ich im Zimmer nebenan mit meinem Job beschäftigt war. Das heißt, das Thema “Mama muss arbeiten, bitte nicht stören”, hatten wir schon vorher.

Doch wie genau ändert sich der Homeoffice-Alltag mit Kind im Haus 24/7?

Homeoffice mit Kindern braucht mehr als Geduld

Nun, zuallererst, die Ruhe, die Sie gewohnt waren, ist ganz plötzlich weg. Und dann stehen da auch noch quengelnde Kinder vor Ihnen, die unterhalten und versorgt werden möchten. Sie wollen vor allem Ihre Aufmerksamkeit!
Wichtig ist jetzt, bewahren Sie Ruhe! So ausweglos die Situation auch erscheint, wir Eltern sitzen alle im selben Boot und zusammen ist man bekanntlich weniger allein. Ab jetzt heißt es, Geduld haben und VIEL mehr Zeit für alle Aufgaben einteilen.
Behalten Sie immer im Kopf, dass Kinder sehr sensibel auf ihre Umgebung und Veränderungen reagieren. Sie spüren es ziemlich schnell, wenn man selbst gestresst ist, und wenn sie das merken, dann werden sie quengelig – und das wollen wir auf jeden Fall vermeiden.
Mit Kindern muss man nun mal mehr Zeit für alltägliche Dinge einplanen, ob man es will oder nicht. Kinder brauchen, wie auch Sie, eine Routine.
Versetzen Sie sich mal in deren Lage. Ganz plötzlich steht die Welt auf dem Kopf. Ja, es ist Schulfrei, aber gleichzeitig, können Sie nichts unternehmen. Und SIE sind daheim, wollen aber lieber arbeiten, als mit ihnen zu spielen.

Etablieren Sie Regeln

Entscheidend ist, von Anfang an klare Regeln festzulegen und sich die Zeiten besser einzuteilen. Wenn Sie kochen, bereiten Sie immer ein bisschen mehr zu, dann bleibt auch was für den nächsten Tag. Suppen sind eine gute und gesunde Zwischenmahlzeit.

Wer mit kleinen Kindern lebt, wird höchstwahrscheinlich Schwierigkeiten dabei haben einen Ort zu finden, an dem man ungestört arbeiten kann. Wir haben zum Glück ein abgetrenntes Arbeitszimmer, das vor allem den Vorteil mit sich bringt, dass man den Raum auch abschließen kann, wenn man Ruhe braucht – bei Telefonkonferenzen super wichtig. Wenn ich in diesem Raum telefoniere, dann weiß jeder im Haus, sie müssen leise sein und dürfen mich nicht stören – es sei denn das Haus brennt.
Kinder verstehen viel mehr, als wir ihnen manchmal zutrauen – auch die ganz Kleinen. Regeln kann man lernen, man muss sie nur richtig und häufig genug kommunizieren; was am ehesten bei Ihren Rackern funktioniert, wissen Sie am Besten. Es hilft nicht, sie wegen Fehlern anzuschreien.
In meiner alten Wohnung hatte ich kein Arbeitszimmer per sé. Mein Arbeitsplatz war in meinem Wohnzimmer. Mein Sohn war damals noch 4 Jahre alt. Er wusste, er dürfe nur im selben Zimmer spielen, wenn er dies leise tat. Wenn ich telefonieren musste ging er entweder woanders hin oder blieb extra leise.
Sie könnten auch für Ihre Kinder einen eigenen “Arbeitsplatz” einrichten. Legen Sie Buntstifte, Blöcke und Bastelmaterial aus, und spielen Sie mit ihnen “Büro”. Glauben Sie mir, das kann wahre Wunder bewirken. Machen Sie Ihnen ein Hörbuch an und geben Sie Ihnen etwas zur Beschäftigung, ob Bausteine, Stifte oder Knete. Vergessen Sie jedoch nicht ab und an ein Auge auf die Kleinen zu werfen, sonst wird mehr bemalt als nur Papier.

Bitte denken Sie vor allem daran Ihre Unterlagen und Arbeitsmaterialien stets nach der Arbeit wegzuräumen oder im Arbeitszimmer weg zu sperren; ansonsten droht Gefahr, dass zarte Kinderhände sie “verschönern”, verlieren oder zerstören.

Routine ist das A und O – nicht nur morgens.

Machen Sie sich und Ihren Kindern einen Plan! Dieser ist essentiell, um Ihr Leben und das Ihrer Kinder auf die Reihe zu bekommen.
Ich erstelle mir auf Trello Boards und To-Do Listen – sowohl für die Arbeit als auch für daheim. Checklisten und Prioritäten können Sie auch für Ihre Hausarbeit erstellen. Schreiben Sie sich auf, welche Dinge bis wann zu erledigen sind; besprechen Sie alles mit Ihrem Partner, damit die Arbeit auch fair aufgeteilt werden kann. Je nachdem wie alt die Kinder sind, schalten Sie auch diese dazu. Auch sie können im Alltag helfen. Als mein Sohn 3 Jahre alt war, war eine seiner Lieblingsbeschäftigungen Staubsaugen… Man kann so ziemlich aus allem eine “nette Aktivität” für die Kleinen machen, man muss es ihnen nur richtig verkaufen. Nur weil Sie von zu Hause aus arbeiten, heißt es nicht, dass Sie nebenbei die ganze Hausarbeit alleine machen müssen.

Zudem sollten Sie die Werktage der Kinder durchplanen. Unsere Schule hat uns mit einem Wochenplan und Arbeitsmaterial versorgt. Dabei muss jedes Kind klare Aufgaben verrichten. Schreiben Sie für Ihre Kids Stundenpläne, wann sie was zu erledigen haben. Da können auch Pausen, Spielzeiten, Fernsehzeiten und Essenszeiten mit draufstehen. Das nimmt am Anfang ein wenig Zeit ein, gibt Ihren Kindern und Ihnen aber Sicherheit und eine Routine, an die sie sich halten können. Schicken Sie die Kids auch regelmäßig in den Garten oder gehen Sie mit Ihnen zwischendurch gemeinsam an die frische Luft. Das fördert nicht nur Ihren Familienzusammenhalt sondern auch Ihre Konzentration.

Mein Sohn und ich haben unseren Plan gemeinsam entwickelt. Dabei haben wir sogar ein morgendliches StandUp eingerichtet – das Meeting mit der Führungskraft, also meiner Wenigkeit. Von dieser Idee war mein Zwerg übrigens mehr als begeistert. Das verlieh dem Ganzen eine größere Gewichtung – zumindest in seinen Augen.
Wir stehen jeden Tag zur selben Zeit auf, gehen eine halbe Stunde spazieren und Frühstücken zusammen; dann gehen wir in Ruhe den “Arbeitsplan” durch (unser StandUp). Sobald alle Fragen geklärt sind, macht sich jeder an die Arbeit. Ich verbarrikadiere mich im Arbeitszimmer oder im Wintergarten, mein Sohn macht solange Hausaufgaben entweder am Esstisch nebenan oder in seinem Zimmer. Wenn er Fragen hat, schaut er kurz vorbei, ansonsten treffen wir uns wie Kollegen in der Küche bzw. beim Mittagessen. Alles in allem, eine sehr ulkige Angelegenheit.
Was die Bettzeit angeht, davon haben wir auf unserem Plan zwei. Wer brav war und alles gut erledigt hat, darf natürlich länger wach bleiben.

Wenn man nicht Telefonieren muss oder keinen getrennten Arbeitsbereich hat, kann man auch zusammen Arbeiten. So können Sie bei Gelegenheit Ihre Kinder motivieren bei der Sache zu bleiben. Das hilft übrigens auch bei Geschwistern. Gemeinsam Hausaufgaben machen, macht mehr Spaß als alleine, jedoch sollte man darauf achten, dass mehr gearbeitet wird als Blödsinn gemacht.

Pausen miteinander und voneinander

Wenn Kinder, in Ihrer Freizeit, mit anderen Spielen können, macht es Ihren Alltag einfacher; zu Zeiten der Ausgangssperre bzw. Ausgangsbeschränkung ist jedoch social distancing angesagt.
Einzelkinder, können in einer solchen Situation der Isolation sehr schnell vereinsamen – auch das wollen wir umgehen. Deswegen ist es wichtig, sich regelmäßig Zeit für gemeinsame Aktivitäten zu nehmen, vor allem am Wochenende und nach der Arbeit.

Machen Sie untertags zusammen Pausen. Nehmen Sie sich aktiv Zeit zum Blödeln, zum Beispiel für eine kurze Turnpause und jagen Sie Ihre Kinder durch den Garten oder laufen Sie eine Runde um den Block. Sie könnten aber auch ein Homeworkout oder ein Danceoff einlegen – mit lauter Musik, versteht sich. Das hält sie beide in Bewegung, macht wach und ist gesund.

Spielen Sie nach Feierabend eine Runde mit Ihren Kleinen, auch wenn Sie viel lieber in Ruhe alleine einen Tee trinken würden – das können Sie immer noch machen, wenn Ihre Brut im Bett ist. Ich gebe mein Bestes die Fernsehzeiten meines Sohnes auf ein Minimum zu beschränken. Ab und an machen wir jedoch auch einen gemeinsamen Film- oder Konsole-Spielabend. Dann wird erstmal das eigene Selbstbewusstsein zerstört, wenn die Kinder ihr Können unter Beweis stellen.

Wir haben uns vor einigen Monaten ein Festnetztelefon eingerichtet, damit mein Sohn seine Freunde und Großeltern selbstständig anrufen kann. Das macht er mittlerweile Stundenlang und äußerst gerne. Zu seinem Lernplan gehört auch täglich laut vorzulesen. Dazu ruft er seine Urgroßeltern an, die er wegen der Entfernung und der momentanen Ausgangsbeschränkung nicht besuchen kann, und liest ihnen laut vor. Diese Art von Unabhängigkeit und Selbstbestimmung, hilft den Kids dabei sich etwas freier, in dieser eingesperrten Situation zu fühlen und gibt Ihnen zudem ein wenig Zeit für sich.

Wenn Sie nicht alleinerziehend sind, spannen Sie Ihren Partner in die Kindererziehung und Beschäftigung mit ein. So können auch Sie sich ab und an ein wenig Ruhe gönnen.

Alles in allem, ist Homeoffice mit Kindern machbar, jedoch nicht immer einfach. Die Tage werden Länger, die eigene Freizeit leider nicht. Denken Sie daran, Sie sind nicht alleine in diesem Ausnahmezustand, auch wenn Sie sich manchmal so fühlen. Wir lachen und leiden alle mit Ihnen. Versuchen Sie nichtsdestotrotz Ihre Arbeitszeiten so gut es geht durchzuziehen und rechtzeitig zu Ihrer Familie zurückzukehren. Vergessen Sie aber bitte nicht, ab und an auch mal an sich selbst zu denken.

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